Das Flusentier mutiert zur Bürste

Pippilotta und die bunten Ideen – oder: zu Besuch bei der Hundepsychologin (Sommer 2016)

Pippilotta bastelt sich die Welt ja wie sie ihr gefällt. Dumm nur dass seit einiger Zeit andere Hunde darin keinen Platz mehr haben. Zumindest nicht im eigenen Viertel und schon garnicht an der Leine. Wahrscheinlich hat sich meine permanente Angepisstheit über doofe Hundehalter, fein säuberlich auf meinen Kontrolletti übertragen und so meint Madam sie müsse ganz klar regeln, wer sich hier wie und wann lang bewegen darf.

Das Flusentier hat praktischer Weise nur am Rücken wirklich langes Fell das man dann herrlich aufstellen kann um lautstark, auf Krawall gebürstet, Todfeinde zu vertreiben.

Ehemalige Trainigserfolge haben sich gänzlich in Luft aufgelöst und Madam tut so als wäre sie noch nie erzogen worden. NOCH NIE.

Es hilft nix das geht weit über den normalen, durch die klappernden Murmeln, in ihrem Kopf, erzeugten Irrsinn hinaus. Ich muss einsehen, ich habe einen leinenagressiven Hund. Klingt komisch is aber so.

Wie passend dass ich Urlaub habe und den Hund zum Workshop schleppen kann. Ich werde viel gefragt. „Was sie frisst?“ „Ob sie gesund ist?“ Körperlich schon, geistig? man weis es nicht so genau. „Wie es in der Welpengruppe war?“ Schwachsinnig. „Wie es in der Junghundegruppe war?“ Stupidität gepaart mit Inkompetenz. „Wie es im Einzeltrainig war?“ Zeitweise erfolgbringend.

Man ändert die Ernährung, überlegt ob man vorherige Trainer nicht anzeigen müsste, stellt fest der Hund ist ausgesprochen intelligent, territorial, aber sozial und so niedlich.

Ah ja…

Wir üben fleißig vor uns hin, Madam ist aufgespuhlt aber nicht aggro. War auch nicht zu erwarten, der Schloßpark ist nicht ihr Gebiet, dennoch gehört der zur Welt und die Welt gehört Pippilotta. Schwierig sich zu konzentrieren wenn man auf alles aufpassen muss.

„Ob der Hund in den Teich springt? Ob sie die Enten jagen würde? Ob sie den Fußballern den Ball klauen würde? Ob sie den joggenden Kindern hinterher rennen würde? Sie wäre ja schon sehr interessiert“

Sehr interessiert? Das ist eine ziemlich seichte Beschreibung für die, durch den gebotenen Animationsoverklill, angefachte Aufregung. Aber ja, ja, ja, ja außer ich verbiete es.

Man schaut zweifeldn auf die 200% die ich an der Leine habe und glaubt mir nicht. Also mache ich die Leine einfach ab. Schließlich bin ich die Königin der Verrückten. Pippilotta wartet brav auf die Freigabe und sprintet los. In geradem Kurs auf die Enten zu. Ich sage öhöh, Madam nutzt den Schwung für eine elegante Kurve und steuert auf den Ball zu. Nein! Pippilotta! Der Schwung wird für eine weitere Kurve genutzt, na gut dann halt die Kinder. Als auch das verboten wird, trabt Madam zurück zu mir. Ist scheiße hier, hier darf man nix. Die Kinder joggen die zweite und dritte Runde an uns vorbei, Madam zuckt nicht mal.

Man zeigt sich verwundert und beeindruckt. Das hatte man nicht erwartet.

Jetzt bin ich meinerseits verwundert. Es wurde doch festgestellt mein Hund sei intelligent. Es ist warm und Madam ist nicht so blöd ihre Energie zu verschwenden wenn am Ende vom Sprint doch nix gefangen oder abgeleckt werden darf.

„Ob sie denn jetzt eine Weile im Fuß gehen könnte?“ Jo, sie kann aber es kostet sie alles. Die Murmeln in ihrem Kopf sind ordentlich in Fahrt und es kam wie es kommen musste, zwei knallen mit einem leuten Ping gegeneinander und Madam sitzt im Teich. Ach wer ist schon perfekt.

Aber wer könnte es ihr verübeln? Im Teich schwamm freundlich lächelnd ein Ball, der MUSSTE gerettet werden. Ich werde aufgefordert meinen Hund für diese tolle Idee zu loben. Ich bin etwas skeptisch, ergebe mich aber der Expertise und lobe meinen Hund als hätte sie das goldene Vließ aus dem Wasser gezogen. Mein Hund platzt vor Stolz.

Man erkennt dass Madam viele bunte Murmeln im Kopf hat und dass diese viele bunte Ideen erzeugen. Da Madam ja die Königin der Welt ist, möchte sie gern für ihre Ideen gelobt werden. Das soll ich jetzt auch artig machen. Madam möchte gern die Bestimmerin sein, wo sie doch so viele bunte Ideen hat. Einfach so zu machen obwohl es nicht ihre Idee war, sei nicht so ihr Ding.

Ich bekomme ein paar Tipps wie ich Madam glauben machen kann, meine Idee sei ihre gewesen und wir gehen nach Hause und schlafen uns erstmal aus. So´n Workshop is anstrengend.

Natürlich funktioniert nichts von dem geratenen Schwachsinn, hätte ich auch schon beim Zuhören nicht erwartet. Seltsamerweise ist die feine Frau Hundepsychologin anschließend nicht mehr zu erreichen. Was solls? Wir hatten einen schönen Urlaubstag im Park.

In einem zumindest hatte die Frau Hundepsychologien recht: Pippilotta diskutiert nicht, die handelt.

3 Comments

    1. Hallo Steffi, das war nicht in diesem Urlaub 🙂 das war vor einem Jahr. Mittlerweile schafft Pippilotta es andere Hunde in Ruhe zu lassen, ausser sie ist läufig, ausser es sind franz. Bulldogen und ausser es ein Neuer in the Hood

      Gefällt 1 Person

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