Samstag morgens

Wochenende, Sommer und es regnet. Ich mag das, finde es regelrecht schön. Da erwartet keiner Aktivitiät und beseeltes Lächeln.

Ich sitze in der Küche und gucke aus dem Fenster. Ich seh da nicht viel, nur den Kastanienbaum. Das ist gut so, mehr kann ich noch nicht verarbeiten bis der erste Kaffee seine Wirkung tut.

Meine Tiere lassen mich da meist in Ruhe. Die wissen dass ich noch schlafe, auch wenn es auf den ersten Blick anders erscheinen mag. Verschiedene männliche Vertreter meiner eigenen Gattung, die meinen Lebensweg kreuzten, hätten sich da mal ein Beispiel nehmen können. Morgens bin ich nicht zu Text fähig. Oder sie hätten einfach akzeptieren können, dass ich durchaus antworte. Halt nur in meinem Kopf. Ich weiß ist unpraktisch weil man das aussen nicht mitkriegt.

Wenn dieser Zustand zu lange anhält und mitunter dauert es recht lange, fangen die Katzen an zu jaulen. Also eigentlich nur Strubbel. Maincoon Kater neigen dazu viel mit Ihren Menschen zu reden. Ich neige dazu zu tun was er sagt. In diesem Fall will er Frühstück. Der Hund jault auch. Warum weiß ich nicht so genau. Vielleicht muss sie pinkeln, oder sie will auch Frühstück, oder Katzenfutter, oder die Katzen, oder alles.

Mein Hündchen weiß ziemlich genau, in diesem Zustand bin ich vollkommen wehrlos und nutzt das aus um im Katzenzimmer die Trockenfutterreste zu vertilgen. Wo ich sonst nur die Augenbraue zu heben brauche um klar zu machen „Katzenzimmer verboten“ (dass ich das immmernoh klar machen muss steht auf einem anderen Blatt) wird jetzt mein schwach gehauchtes „raus“ gekonnt ignoriert.

Nicht mal der Weltuntergang könnte meine Emotionen vor dem ersten Kaffee in Gang setzen. Das Gejaule meiner Tiere jedoch aktiviert den Autopiloten. Ich stehe auf und starre einige Minuten in den Küchenschrank. Es passiert dabei nichts. Ich gucke nur in den Küchenschrank. Der Autopilot weiß aber dass etwas passieren müsste, daher bleibe ich stehen und gucke weiter. Der Übertragungsweg von Retina ins Gehirn ist mit Schlafhormonen verlegt. Schließlich ein Bild. Katzenfutter ist alle. Mist!

Der Autopilot macht den Küchenschrank zu und lässt mich in die Spühle gucken. Da ist nichts drin außer ein Topf mit Wasser, der da steht weil meine Kater genau so viele Murmeln im Kopf haben wie mein Hund und nur aus diesem Topf an dieser Stelle trinken. Seit 5 Jahren befülle ich dennoch fleißig Katzenwassernäpfe an strategischen Standorten in der Wohnung. Noch nie wurden die von meinen Katern benutzt. Der Hund hat geringfügig mehr Will to please und tut mir ab und zu den Gefallen.

Ich starre weiter in die Spühle. Der Autopilot weiß irgendetwas müsste da noch sein. Is aber nich. Hm? Plötzlich ergibt das weitestgehend leere Bild einen Sinn. Vergessen Hundefutter aufzutauen. Mist! Diese Informationen sollten mich eigentlich zum Büdchen schicken um Katzenfutter zu besorgen und zum Tiefkühler um Hundefutter raus zu nehmen. Tun sie aber nicht. Der Autopilot hat seinen Job erledigt und legt sich wieder hin. Ich sacke in den Küchenstuhl und trinke weiter Kaffee.

Der Hund muss jetzt aber echt. Ich ziehe die Strickjacke an die da liegt und setze die Kaputze auf, es regnet schließlich. Kurz dämmert mir, dass Strickjacke trotz Kaputze kein adäquates Kleidungsstück ist bei Regen. Ein Gedanke flimmert vorbei -echte Männer tragen kein Polyesther- – ich bin kein Mann-. Ich gucke auf die Regenjacke die an der Tür hängt. Anziehen kann ich sie nicht. Mein Gehirn schläft und kann mich nicht zu derart komplexen Handlungen bewegen.

Das gute an diesem Zustand ist, ich kann mir keine Sorgen darüber machen ob draußen vielleicht weiße Schäferhunde oder französische Bulldogen gerade auf dem Weg zum Bäcker sind. Sind sie nicht. Glück gehabt. Allerdings kann ich mir auch über nichts anderes Sorgen machen und das ist eher schlecht. Ich taumele mit Pippilotta Richtung Lösestelle. Von vorne kommt eine wirklich kleine Frau (ca. 1,52m, 49 kg) mit wirklich großem Hovawart (ca. 90cm, 52kg). Dummerweise macht das mit mir nix.

Mein innerer Kasper und meine inneres Arschloch haben freie Bahn. Keinen von beiden sollte man ungezügelt allein loslassen, schon garnicht zusammen. Nun reichen sie sich die Hände und stürmen laut lachend los. Mein Hündchen, das freilich keine Probleme mit Schlafhormonen hat, tut es ihnen gleich, als der Autopilot, der mich die Gassistrecke entlang schiebt, mich das tuen lässt was ich immer mache, nämlich Leine ab.

Pippilotta schreit „Feuerfrei“. In mir flüstert etwas ganz leise: „oh, ha“ und ich sehe das Unglück kommen, bin aber in meiner Lähmung gefangen und unternehme nichts.

Freudig stürmt Pippilotta Richtung Hovawart (Gott sei dank mag sie den) der das spitze findet und einfach mal mit stürmt, dabei aber leider vergisst, dass sein kleines Frauchen noch an ihm dran hängt. Die fliegt ungebremst hinterher und landet in den Brombeeren.

Gott sei dank mag die mich und meinen Hund. Gott sei dank ist sie nicht sauer. Gott sei dank nimmt sie mir -oh wunder- es nicht übel. Gott sei dank ist sie es gewohnt hinter ihrem Hund hinterher zu fliegen. Ziemlich viel Gott für mich an einem Morgen.

Nicht nur andere Hundehalter sind scheiße. Ich bin es auch.

Bis ich zu Hause bin, habe ich das blanke Entsetzen, durch welches ich schließlich geweckt wurde, abgeschüttelt und kann über die zarte Komik der Situation schmunzeln. Ich denke an unsere Hundetrainerin. Die hält mich für wahnsinnig reflektiert und lobt stehts mein gutes Timing. Jetzt gerade bin ich mir da nicht so sicher. Vorsichtshalber gehe ich wieder ins Bett. Meine Tiere seuftzen resiginert auf: Frühstück gibts wohl später.

2 Comments

  1. Endlich! Seit „Feldweg“ checke ich mehrmals täglich, ob es eine neue Story gibt. Ha!

    Und dieses „nur innerlich Antwort geben“ kenn ich – kannste das mal meinem Männchen erklären bitte??

    Und wenn Dein Krümel den Hova animiert, sein Frauchen in die Brombeeren zu schleudern, dann….. mach nicht ihr Problem zu Deinem 😀 😀

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  2. Ich habs schon nicht geschafft den eigen Männern diese Angewohnheit zu erklären. Ich glaube bei Fremden geht das erst recht nicht.

    Ich erwarte von anderen Hundehalter vorausschauendes Handeln (natürlich oft vergebens) also muss ich das auch bringen. Was ich in der Regel ja tue, aber an so Tagen…

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