Die Fassungslosigkeit ist das Problem

Wir sitzen in der Küche. Der Hund liegt unterm Küchentisch und trocknet. Dabei kaut sie auf einem Hasenohr. Ich trinke Kaffe und schaue mir durchs Fenster die Schneeflocken an. Ist ein hübsches Bild, aber eigentlich will ich Frühling.

Im Fragebogen der Verhaltensspezialisten steht u.a. „Zeigt Ihr Hund forderndes Verhalten?“ Meine Antwort lautet: „Nein nie!“ Das entspricht der Wahrheit. Pippilotta hatte nun beinahe 3 Jahre Zeit mich eingehend zu studieren und ihr ist klar: forderndes Verhalten wäre zwecklos. Abgesehen davon ist sie eh nicht so der Typ der groß fragt. So ist es eigentlich nicht verwunderlich was als nächstes geschieht. Eigentlich…

Madam befindet, dass sie heute noch ein zweites Hasenohr vertragen könnte, also steht sie auf, geht ganz selbstverständlich zum Küchenschrank, in dem ich Katzenfutter und Hundesnacks aufbewahre, öffnet ihn und fummelt sich EIN weiteres Hasenohr aus der Packung.

Ich unterbreche Kaffetrinken und Schneeflockengucken und schaue fassungslos auf meinen Hund. Wenn man Menschen fragt was sie für ihr Hunde empfinden? Bin ich mir sicher, dass die meisten sagen würden „Liebe“. Die IPO Typen vielleicht „Stolz“. Ich müsste sagen „Fassungslosigkeit“

Ich bin nicht nur fassungslos darüber, dass mein Hund wie selbstverständlich den Küchenschrank öffnet -dabei muss klar sein, dass wir das niemals geübt haben- nicht mal im Ansatz käme ich auf die Idee meinen Tieren soetwas beizubringen. Ich bin bekloppt. Aber so bekloppt auch wieder nicht. Nein, ich bin auch fassungslos darüber, dass sie dabei nicht eine Sekunde zögert, nicht einen Wimpernschlag darüber nachdenkt sich am Katzenfutter zu bedienen, welches sie sehr sehr lecker findet, auch nicht in Erwägung zieht sich einfach die ganze Packung Hasenohren zu schnappen. Was sie zweifelsohne ja gekonnt hätte und was zudem einfacher gewesen wäre.

Nein nein, sie hatte ganz klar beschlossen, dass sie noch EIN Hasenohr möchte und nur genau EINES friemelt sie sich aus der Packung, trägt es in aller seelenruhe unter den Küchentisch auf ihre Decke, legt sich hin und will anfangen zu kauen.

Ich bin fassungslos über dieses Selbstverständnis. Pippilotta sieht keine Notwendigkeit das Hasenohr schnell an Ort und Stelle zu verschlingen, weil ihr vollkommen klar ist, sie tut das Richtige. Die ganze Packung oder das Katzenfutter, ja das wäre klauen gewesen. Aber so? Nö, Madam kann keine Fehler entdecken.

Ich aber schon, also nehme ich dir das Hasenohr weg und stecke es wieder in den Küchenschrank. Mit dem gleichen Selbstverständniss ist mir augenblicklich klar, dass dies ein einmaliger Vorfall gewesen ist. Dafür ernte ich nun meinerseits einen fassungslosen Blick von meinem Hund. Die Murmeln in Ihrem Kopf haben ihr gesagt, dass sie nichts falsch gemacht hat.

Im Fragebogen der Verhaltensspezialisten gibt es ganz unten noch ein Kästchen: „Was Sie uns sonst noch sagen wollen, was wichtig sein könnte“

Da werde ich wohl reinschreiben: „Sehr geehrte Frau Strodtbeck, Sehr geehrter Herr Ganßloser, die Fassungslosigkeit ist das Problem.

Das Zweitbeste an der Geschichte ist, als ich sie einem Bekannten erzählte, der mich daraufhin ebenfalls fassungslos anguckte und fragte: „frierst du die nicht ein?“

Nein natürlich nicht. Ich lege mir jeden Monat 15kg rohes blutiges Flesich in den Küchenschrank. Mit zunehmender Vergammelung schmeckt das besser….hmpf.

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